03 honegger philatelie Wissenswertes

Gedanken zur Marktlage 2017

In sechs Wochen ist das Jahr 2016 Geschichte. Ein sehr bewegtes Jahr und einmal mehr weiss man nicht so genau, was man von der Zukunft halten soll oder erwarten darf. Betrachten wir aber erst einmal die Vergangenheit – und zwar die philatelistische. Wenn man sich ausschliesslich mit den klassischen Schweizer Marken von 1843 bis etwa 1870 befasst, wie wir, so sind wir in der glücklichen Lage, einmal mehr von einem sehr guten Jahr unseres Geschäftes zu sprechen. Zwar schien es keineswegs so vorprogrammiert. Wenn man zweimal drei Wochen in der ersten Jahreshälfte sich wie gewohnt ausschliesslich der Aufarbeitung von Posten und ganzen Sammlungen widmen wollte, so kann einem eine verschleppte Erkältung einen Strich durch die Rechnung machen. Am Schluss fehlen dann einfach 500 Lose, die vor allen Dingen «Nahrung» für die vielen Heimat- und Geburtstagssammler dargestellt hätten. Die sind dieses Jahr bedauerlicherweise etwas zu kurz gekommen. Das soll und wird im nächsten Jahr hoffentlich wieder besser werden!

Dafür hatten wir das grosse Glück, für einen sehr guten Kunden die grosse Alt-Schweiz-Sammlung von Gerold Emil Anderegg / William H. Gross erwerben und en bloc weitergeben zu dürfen. Das ist weniger ein finanzieller Grosserfolg, weil solch eine direkte Weitergabe mit einer Vermittlungsprovision abläuft und nicht mit einer normalen kaufmännischen Marge bei einem Lagerverkauf. Es ist aber dennoch ein geschäftlicher Höhepunkt, einmal im Leben solch eine so berühmte Sammlung mit dermassen vielen philatelistischen Höhepunkten in Händen gehabt und vermittelt zu haben. Man weiss ja nie, was die Zukunft noch für einen bereit hält, aber nachdem wir letztes Jahr schon die phantastische Destinationssammlung von Richard Schäfer erwerben und vermitteln durften, kann man bei dieser Anderegg / Gross-Sammlung möglicherweise sogar von einem Karrierehöhepunkt meinerseits sprechen! Nur liegt mir daran, zwei Punkte zu erwähnen: Einmal wäre dieser ganze Handel mit dieser Sammlung nicht ohne die tatkräftige Mithilfe meines Sohnes Markus zustande gekommen. Und zweitens gibt es für mich etwas, das noch mehr zählt als der summenmässige Umsatz. Der Umstand nämlich, bei dem aus einem ganz normalen Kunden nicht nur ein grosser Kunde, sondern ein guter Freund wird! Diese Entwicklung habe ich in den letzten Jahren etliche Male (mit verschiedenen Kunden, auch Kollegen!) erleben dürfen und das motiviert einen, noch «etwas weiter zu machen».

Die Entwicklung im Alt-Schweiz-Bereich allgemein ist ermutigend. Ungebrochen ist die Nachfrage nach ungebrauchten Marken, die kaum irgendwo in grösseren Beständen lagernd sind. Es gibt wieder Sammler, die mit Rayons, ja selbst mit Kantonalmarken Spezialsammlungen zu bilden beginnen. Das halte ich für sehr sinnvoll, weil das Material derzeit zu vernünftigen Preisen noch greifbar ist. Heimatsammler begnügen sich mit der Zusammenstellung von Stempeln und Belegen aus einer beschränkten Region (Kanton, Bezirk oder nur einer Ortschaft) und benötigen deshalb nicht den ganzen Alt-Schweiz-Bereich. Solche Sammlungen haben einen ganz persönlichen Charakter, was heute, im Zeitalter der Vermassung, anzustreben ist.

Geburtstagssammlungen werden immer noch unterschätzt oder vernachlässigt. An sich wäre solch ein kleines Zusatzobjekt in der eigenen Sammlung für praktisch alle Sammler sehr wichtig! Und zwar dann, wenn beabsichtigt ist, seine Sammlung einmal einem eigenen Kind, einem Enkel oder Patenkind zu hinterlassen. Dann wären ein paar Blätter mit dem Geburtstagsdatum des Beschenkten (nur Tag und Monat, nicht aber seinem Geburtsjahr) sehr dienlich! Jeder Sammler hätte Freude, wenn er wüsste, dass jemand aus seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis seine eigene Sammlung, in die man ein Leben lang viel Zeit und Geld investiert hat, weiterführen würde. Wenn nun ein Verwandter eine Sammlung erbt, die mit ein paar Blättern seines eigenen Geburtstagsdatums beginnt, so ist das eben nicht einfach ein Erbstück, zu dem er bisher keine grosse Beziehung hatte, sondern es wird mit dieser Einleitung, seinen individuellen Geburtstagsstücken also, zu einer ganz persönlichen Sammlung! Eine solche Sammlung wird er in Ehren halten und wenn möglich gar selber ausbauen und weiter pflegen! Vielleicht nicht immer sofort. In der «Sturm- und Drangzeit» hat man andere berufliche und private Prioritäten. Aber mit 40 oder 50, wenn man einigermassen sesshaft geworden ist und allenfalls auch eigene Kinder hat, kommen solche Hobbies und damit auch solch eine Sammlung zu ganz neuer Beachtung und Wertschätzung.

Werfen wir einen kurzen Blick auf die Zukunft. Die politischen Gegebenheiten sind keineswegs sehr ermutigend. Es türmen sich nach wie vor gewaltige Wolken auf, die mit dem bevorstehenden Ende der Ära Obama noch grösser geworden sind. Ob der Westen je der Flüchtlingsströme Herr werden kann, ist zu bezweifeln. Und ob der eben gewählte neue Präsident Trump für die Welt eher eine Befriedung oder eine Verschärfung der Beziehungen bringen wird, wissen wir vielleicht dann im nächsten Jahr um diese Zeit. Das alles sind politische Turbulenzen, die Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werden. Ganz anders aber die Aussichten für unser Gebiet der klassischen Schweizer Marken, die heute eben nicht nur als Sammel-, sondern vor allem auch als Anlageobjekt gesehen werden. Durch die allgemeine Geldschwemme (vor allem, aber nicht nur im Schweizer Franken) mit Negativzinsen leben viele Leute heute in einem eigentlichen Anlagenotstand. Es fliesst (von Privaten!) eher weniger Geld in Aktien oder Anleihen. Dieses wird wie ehedem in der «guten alten Zeit» in bar gehortet oder eben auch unkonventionell ausgegeben. Man leistet sich etwas, man möchte etwas von seinem Ersparten haben. Viele, vor allem ältere Leute in der westlichen Welt, sind in der Lage, sich etwas zu leisten. Also Geld auch auszugeben. Noch nie blühten Kreuzfahrten so auf wie heute! Man macht nicht nur einmal, sondern zwei-, dreimal im Jahr Ferien. Und ein Teil dieses vorhandenen und anlagebereiten Geldes fliesst seit einigen Jahren immer mehr auch in die klassischen Schweizer Marken. Das ist durchaus eine Überlegung wert! Denn damit investiert man in den starken Schweizer Franken und erhält dafür einen Gegenwert, der einem als Sammelobjekt ein ganzes Leben lang Freude bereiten kann! Wieviel ist Ihnen persönlich denn eine lebenslange Freude wert? Darf diese «nichts» kosten? Und der Clou dabei: Am Ende kommt bei den klassischen Schweizer Marken ja durchaus etwas zurück! Das Geld ist nicht einfach ausgegeben und verloren. Von welchem anderen Hobby können Sie dies denn sonst sagen?

Wenn ich Ihnen, meine sehr verehrten Kundinnen und Kunden, Kolleginnen und Kollegen, meinen herzlichsten Dank für die zahlreichen Kontakte auch in diesem Jahre aussprechen möchte, so tue ich dies in der Gewissheit, dass der ganze geschäftliche Erfolg letztlich auf solch freundschaftlichen und guten Beziehungen basiert, für die ich sehr dankbar bin. Einen ebensolchen Dank richte ich an meine eigene Familie (vom eigenen Sohn bis hin zu den Enkeln) und die Verwandten, deren Hilfe bei der Herstellung und dem Versand des Kataloges unverzichtbar ist. Wir alle sind darauf angewiesen, dass unser Hobby eine möglichst rosige Zukunft hat und wir alle können dabei in irgendeiner Form mithelfen.

Ich bin sehr an der Förderung von Jugend- und vor allem auch Seniorenkursen interessiert und wenn Sie Leute oder Vereine kennen, die sich diesbezüglich erfolgreich betätigen, so lassen Sie uns dies wissen. Wir würden gerne abklären, wie und in welcher Form wir dabei behilflich sein können.

Ich wünsche Ihnen ein friedliches und gesegnetes neues Jahr und freue mich, recht bald wieder von Ihnen zu hören!

Schmerikon, 11.11.2016
Gottfried Honegger

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